Florian Illies, 1913 - Was ich unbedingt noch erzählen wollte

Grundsätzlich stehe ich Fortsetzungen kri­tisch gegenüber, wenn man den Erfolg des Buches „1913“ von Florian Illies bedenkt. Was hatte denn da noch Wichtiges gefehlt? Illies selbst schreibt: „Das Jahr im Wind­schatten des Krieges wurde sehr lange übersehen ­ plötzlich wird nun der Blick auf die­ses Jahr und seine ganzen kulturellen Explo­sionen frei.“

Er brilliert mit seiner Wortgewandtheit und Charme und nimmt uns mit auf eine unterhaltsame Reise nach 1913. So bringt er uns in Vergessenheit geratene Charakterköp­fe näher und zeichnet ihre Züge mit verspiel­tem Witz und Ernsthaftigkeit so nach, dass man nicht widerstehen kann weiterzulesen.

Als Burn­out noch Neurasthenie hieß, ler­nen wir viele Größen der Zeit kennen, bei­spielsweise Rainer Maria Rilke, mit seinem Selbstmitleid und seinen Erkältungen. Auch mit dem Verleger von Marcel Proust bekom­men wir Mitleid, der ihn mit den Korrektur­schrullen zu seinem Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zur Ver­zweiflung brachte.

Es ist die Explosion der Moderne, der Rhythmus der Geschwindigkeit, die schnell Fahrt aufnimmt. Technologisch gesehen gibt es 1913 kein Halten mehr. Erfindungen wie der Tonfilm, „Dandys“ und Tango sind nur ei­nige der zahlreichen Neuerungen dieser Zeit.

Und wie sah es in puncto Liebe aus? Wild und leidenschaftlich werden wir durch ganz Europa an die illustren Schauplätze geführt und erklimmen sogar den „Berg der Wahr­heit“, teilen Freud und Leid, Liebe und Tod.

1913 ist ein literarischer Hochgenuss, den man auf kleinere Happen oder auch in einem Stück verschlingen kann. Genau das Richtige für kalte Tage.

Illies, Florian
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783103973600
20,00 € (inkl. MwSt.)